Stau auf dem Weg zur Arbeit – für viele Pendler*innen in deutschen Städten ist dies Alltag. 2019 verloren Autofahrer*innen in München 87 Stunden im Stau, In Berlin waren es 66 in Düsseldorf 50 Stau-Stunden.

Aber auch der ÖV – mit Fahrplänen, die nicht an den Bedürfnissen der Pendler*innen orientiert sind oder mit unpünktlichen Bussen und Bahnen – macht das Leben der Menschen, die aus den Vororten in die Stadt pendeln, nicht leichter.

Stadtplaner*innen, Unternehmer*innen und politische Entscheidungsträger*innenauf Bundes- und Kommunalebene sind bestrebt, technische Lösungen zu finden, die die Anforderungen seitens der Bürger*innen an neue Formen der Mobilität erfüllen. Eine Mobilität, die – eingebettet in ein umfassendes Ökosystem – in Einklang mit der Natur und Umwelt steht.

Die urbane Mobilität im digitalen Zeitalter steht daher vor einigen Herausforderungen. Doch mit der richtigen Verkehrsinfrastruktur kann eine grüne Mobilität gelingen.

Was ist urbane Mobilität?

Die urbane Mobilität muss Lösungen dafür finden, wie sich die Menschen in dicht besiedelten Gebieten effektiv und nachhaltig fortbewegen können.

Der private Pkw galt lange Zeit als Verkehrsmittel der Wahl, um schnell von A nach B zu gelangen. Doch ausgerechnet diese Entwicklung führt mehr und mehr zum Kollaps unserer Verkehrsinfrastruktur. Und zwar aus einem einfachen Grund: Es wurde schlichtweg nicht erwartet und also auch nicht vorausgeplant, dass das Auto unsere Gesellschaft so erfolgreich durchdringen würde. Mit rund 48 Millionen zugelassenen Fahrzeugen erreichte die Anzahl der in der Bundesrepublik gemeldeten Pkw im Januar 2021 den höchsten Wert aller Zeiten.

Jetzt stehen wir also wieder ganz am Anfang und suchen nach Lösungen, um in den Ballungsgebieten in angemessener Zeit einem Ort zum anderen zu kommen.

Mit technologischen Lösungen wie „Data-as-a-Service“, „Mobility-as-a-Service“ und „Infrastructure-as-a-Service“ ist es jetzt möglich, effektive und nachhaltige Verkehrssysteme in den Städten weltweit zu implementieren.

Warum grüne urbane Mobilität immer wichtiger wird

woman getting on a subway train
(Foto: Ono Kosuki/ pexels)

Transport- und Verkehrslösungen müssen sicher, schnell und effizient sein. Ein Grund für den Erfolg des Autos als Ersatz für Kutschen. Doch die rasante Zunahme des Autoverkehrs führte auch zu immer mehr tödlichen Unfällen, Staus, und einem verstärkten CO2-Ausstoß, der unsere Umwelt nun extrem belastet.

Die neue Form der grünen urbanen Mobilität hat den Anspruch, alle Kriterien in puncto Sicherheit, Geschwindigkeit und Effizienz zu erfüllen. Ein neuer Ansatz, der zahlreiche Vorteile bietet:

Benutzerfreundliche Angebote

Wenn unsere öffentliche Infrastruktur in der Lage ist, Echtzeitdaten über unseren Mobilitätsbedarf zu verarbeiten, wird das Pendeln viel bequemer. Wir sparen Zeit und Geld.

Unabhängig davon, wo Sie in der Stadt wohnen, können Sie Ihr Ziel rechtzeitig, ganz ohne Ärger und Stress erreichen. Oberstes Ziel ist es dabei, dass Verkehrsteilnehmer*innen öffentliche Verkehrsmittel einfacher nutzen können als das eigene Auto. Und dies führt uns auch gleich zum nächsten Vorteil.

Gesundheit

Ein effizienteres Verkehrssystem, das auf dem Konzept der grünen urbanen Mobilität basiert, kann dabei helfen, Staus entgegenzuwirken. Weniger Staus bedeutet weniger Luftverschmutzung durch Emissionen konventioneller Fahrzeuge. Grüne urbane Mobilität bedeutet zudem eine Förderung des Fuß- und den Radverkehrs. Ebenfalls ein Plus für die Gesundheit.

Produktivität

Die Zeit, die man zuvor im Verkehr verbracht hat, kann dann für sinnvollere Aktivitäten, beispielsweise mit Kolleg*innen, Freund*innen und Familie, genutzt werden. Eine gesunde Gesellschaft in einer gesunden Umwelt in Verbindung mit einem effizienten und effektiven Verkehrssystem. Genau diese Kombination ermöglicht es uns, neue Impulse für die Wirtschaft im Allgemeinen zu setzen und unsere Produktivität zu steigern. Staus in deutschen Städten haben 2019 Kosten in Höhe von 2,8 Milliarden Euro verursacht. Diese Summen könnte man sicherlich sinnvoller investieren.

Regierungen auf der ganzen Welt sind deshalb bestrebt, ihre Verkehrssysteme effizienter zu gestalten, indem sie auf das Konzept der grünen urbanen Mobilität zurückgreifen.

Wie intelligente Technologien und KI nachhaltige Verkehrskonzepte unterstützen

Nachhaltige Verkehrslösungen werden oft durch den Einsatz von smarter Technologie und KI vorangetrieben. In dem Daten erfasst und analysiert werden lässt sich  die Funktionsweise und Interaktion von Verkehrssystemen verbessern. Je mehr Systeme dieser Art eingesetzt werden, umso spürbarer die enormen Vorteile.

Sicherheit

KI und intelligente Technologien könnten bei der Aufklärung von Delikten im ÖV, wie beispielsweise Fahrkartenbetrug eine wichtige Rolle spielen. Zudem ermöglichen sie, Daten zu analysieren, die die intelligente Verkehrsinfrastruktur liefert, wie beispielsweise durch intelligente Straßen, Schilder, Ampelanlagen und Fahrzeuge.

Über 95 % der tödlichen Unfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen. Abhilfe könnten autonome Fahrzeuge, die mit anderen Fahrzeugen und der umgebenden Infrastruktur kommunizieren. Auch andere Vorteile wie die vorausschauende Instandhaltung können uns dabei helfen, Fahrzeuge und Straßen in Schuss zu halten.

subway ticket
(Foto: Ono Kosuki/ pexels)

Effizienz

Mit intelligenter Technologie und KI-gestützter Infrastruktur lassen sich Staus minimieren, etwa durch smarte Ampelschaltungen. Im öffentlichen Nahverkehr helfen sie dabei, ineffiziente Prozesse zu erkennen. So lassen sich zum Beispiel Personenströme in Bahnhöfen oder an Haltestellen analysieren und steuern, was wiederum die Zufriedenheit der Fahrgäste erhöhen würde.

Insgesamt helfen intelligente Technologien und KI den Städten, ein Mobilitäts-Ökosystem zu schaffen, das auf die spezifischen Anforderungen der Bürger*innen und der Umgebung abgestimmt ist. Dies trägt zu mehr Sicherheit und Effizienz im Verkehr bei.

Grüne Mobilitätsprojekte auf der ganzen Welt

Viele Städte rund um den Globus sind bestrebt, ihre Verkehrssysteme durch nachhaltige Mobilitätsmaßnahmen effektiv und effizient zu gestalten. Wir stellen Ihnen hierzu zwei vorbildhafte Mobilitätsprojekte aus den Städten Hamburg und Hongkong vor. Auch der europäische Green Deal, ein Aktionsplan der EU-Kommission für eine nachhaltige EU-Wirtschaft, ist ein wichtiger Meilenstein.

Hamburg setzt auf innovative Antriebstechnologien

Hamburg
(Foto: Alexander Bagno /unsplash)

Das Verkehrsunternehmen Hamburger Hochbahn A testet derzeit eine Reihe innovativer Fahrzeugtechnologien, um herauszufinden, welche Technologie für welche betrieblichen Rahmenbedingungen am besten passt. Die Stadt hat hierzu die HOCHBAHN-Strecke der Linie 109  ausgewählt, auf der alle Busse mit innovativer Antriebstechnologie unterwegs sind und unter identischen Bedingungen verglichen werden können.

Die Strecke beginnt am Elektrobus-Terminal in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs und endet nach 10 Kilometern an der U-Bahn-Station in Alsterdorf. Mit Ladestationen an beiden Enden dieser Linie eignet sich die Strecke sehr gut als Testumgebung für die eingesetzten Elektro- und Hybridbusse. Solche Testbedingungen fördern nicht nur die Nachfrage der Bevölkerung nach sauberen, lärmarmen und effizienten Verkehrssystemen, sondern ermutigen auch die Hersteller, Fahrzeuge mit sauberen Kraftstoffen zu entwickeln

Gewinnbringendes Hongkonger Modell zur Finanzierung nachhaltiger Mobilitätsprojekte

Das für das Schienennetz in Hongkong zuständige Verkehrsunternehmen MTRC, hat mit dem Rail-Property-Ansatz ein profitables Geschäftsmodell für die Implementierung urbaner Mobilitätsprojekte entwickelt. In den 1980er Jahren wurden in Hongkong die Bahnhöfe in die Bauträgerplanung integriert, was den öffentlichen Verkehr finanziell tragfähig machte. Somit ist MTRC in puncto Finanzierung nicht mehr abhängig von der Regierung und hat das Recht, die Fläche um die Bahnhöfe herum zu erschließen.

Diese Erschließungsrechte haben nicht nur dazu beigetragen, die Lebensbedingungen rund um diese Bahnhöfe zu verbessern, sondern auch den Betrieb und die Instandhaltung des öffentlichen Verkehrssystems zu finanzieren. Es ist eines der wenigen öffentlichen Verkehrssysteme weltweit, das Gewinne erwirtschaftet.

Jetzt wollen Städte in ganz Ostasien, wie Shenzhen in China und Singapur, das Hongkonger Modell zur Finanzierung ihrer nachhaltigen Mobilitätsprojekte nutzen.

Hong Kong
(Foto: Florian Wehde/ unsplash)

Der EU-Aktionsplan für grüne Mobilität

Um alle Regierungsebenen, Behörden und Interessengruppen zur Mitwirkung an nachhaltigen Mobilitätskonzepten zu ermutigen, hat die Europäische Kommission 2009 den Aktionsplan Urbane Mobilität verabschiedet. Zu den geplanten Maßnahmen gehören:

  • Integrierte Konzepte: Die EU arbeitet eng mit den jeweiligen Länderbehörden zusammen, um Pläne für eine nachhaltige urbane Mobilität aufzustellen und umzusetzen – immer mit dem Ziel vor Augen, die komplexen urbanen Verkehrssysteme zu vereinfachen und Kohärenz zwischen den verschiedenen Strategien herzustellen.
  • Umweltfreundlicher Stadtverkehr: Die EU-Kommission testet derzeit den Einsatz und die Akzeptanz von sauberen alternativen Energiequellen, die wiederum für Wirtschaftswachstum sorgen sollen. Die EU hat die Europäische Green Cars Initiative (EGCI) ins Leben gerufen, um neue Projekte zur Entwicklung von Elektrofahrzeugen unter Nutzung neuer Technologien zu fördern.
  • Der Bürger im Mittelpunkt: Die EU-Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, die Herausforderungen zu meistern, die sich bei der Umstellung auf eine nachhaltige urbane Mobilität ergeben, wie beispielsweise die Rechte von Reisenden und die Gestaltung der Infrastruktur für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
  • Stärkere Mobilisierung von Kapital: Mit den europäischen Bankinstrumenten hat die EU Anreize für Kommunen, Länder und den Bund geschaffen, sich mit privaten und öffentlichen Mitteln für eine nachhaltige urbane Mobilität einzusetzen.
  • Wissens- und Erfahrungsaustausch: Durch Programme wie das CIVITAS Forum Network unterstützt die EU den Austausch von Daten zwischen örtlichen und regionalen Aufgabenträgern, um die Umsetzung einer umweltfreundlichen urbanen Mobilität in Europa zu erleichtern. Der Erfahrungs- und Wissensaustausch zu zentralen Themen wie Datenerfassung und -analyse ermöglicht es den Städten, urbane Mobilitätskonzepte einfacher und kostengünstiger umzusetzen.
  • Optimierung der urbanen Mobilität: Beim Thema Optimierung setzt die EU-Kommission auf Konzepte für urbane Mobilität, die kostengünstig, schnell, bedarfsorientiert und zuverlässig sind.

Ein Beispiel, das aufzeigt, dass sämtliche o. g. Faktoren ineinandergreifen müssen, um nachhaltige Verkehrskonzepte entwickeln zu können: saubere Energie, intelligente Verkehrsinfrastruktur, interregionale politische Zusammenarbeit und alternative Verkehrsmittel.

Intelligente urbane Mobilitätslösungen und Innovationen

Wir haben uns mit nachhaltiger urbaner Mobilität, ihren Vorteilen sowie mit Strategien und Maßnahmen befasst, die allen Städten weltweit zugutekommen sollen. Lassen Sie uns einen Blick auf einige intelligente urbane Mobilitätslösungen werfen, die uns dabei helfen können:

  • Datengestützte Lösungen: Intelligente Software, wie beispielsweise PTV Visum, die Verkehrsplaner*innen verlässlich bei der Entwicklung von Verkehrsstrategien und -lösungen unterstützt.
  • Neue Entwicklungen in der Automobilbranche: Die Entwicklungsarbeit, die Tesla geleistet hat, um Elektrofahrzeuge der breiten Masse zugänglich zu machen, hat andere Autohersteller motiviert, mit Elektro- und Hybridmodellen auf klimafreundliche Technologien umzusteigen. Smarte autonome Elektrofahrzeuge, die in ein öffentliches autonomes Verkehrsnetz eingebunden sind und damit den Betrieb effizienter gestalten, stehen für eine zukunftsorientierte urbane Mobilität.
  • Infrastruktur-Lösungen: Zum Ökosystem intelligenter urbaner Mobilitätslösungen gehören intelligente Verkehrsschilder und Straßen, die miteinander interagieren können, um die sichersten, schnellsten und umweltfreundlichsten Routen ermitteln zu können. Ob präventive Wartung oder Wettervorhersage – eine intelligente Infrastruktur ebnet den Weg für intelligente urbane Mobilitätslösungen.

Im digitalen Zeitalter ist eine moderne urbane Mobilität gefragt, die in der Lage ist, aktuelle Verkehrsprobleme zu lösen. Hierzu müssen alle Akteure aus Wissenschaft und Forschung, Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen und neue Wege gehen. Nur gemeinsam können wir das Konzept der nachhaltigen urbanen Mobilität weltweit implementieren und für eine saubere Umwelt sorgen.

Urbane Mobilitätslösungen

Die PTV Group bietet eine Reihe von Softwarelösungen für eine bessere urbanen Mobilität. Modellierungs- und Simulationswerkzeuge wie PTV Visum, Vissim, Viswalk und Vistro unterstützen Planer*innen bei der Optimierung aller Mobilitätsmodi im urbanen Raum. PTV-Technologie hilft zudem bei der Planung spezifischer Aspekte der urbanen Mobilität wie zum Beispiel Verkehrssicherheit, Mobility as a Service / Mobility on Demand oder der Optimierung von Lichtsignalanlagen.

Über:

Adriana Stein bezeichnet sich selbst als leidenschaftlichen Tech-Nerd. Sie liebt es, Geschichten darüber zu schreiben, wie Technologie den Menschen und der Umwelt hilft. Die Themen Nachhaltigkeit und Mobilität faszinieren sie genauso wie die Frage, wie innovatives Denken unsere Gesellschaft dazu befähigt, bessere infrastrukturelle Systeme zu schaffen.

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