Im August 2025 erhielt der Oxford United Football Club (OUFC) die Baugenehmigung für ein zukunftsweisendes, vollelektrisches Stadion. Die neue Arena wird Platz für 16.000 Zuschauer bieten und neben dem Spielbetrieb auch das größte Konferenzzentrum Oxfordshires, ein Hotel mit 180 Zimmern, ein Restaurant sowie ein Gesundheits- und Wellnesszentrum beherbergen.

Damit die Verkehrsinfrastruktur auch an Spieltagen zuverlässig funktioniert, unterstützte unser Consulting-Team das Projekt mit einer umfassenden Verkehrs- und Fußgängersimulation. Mithilfe von PTV Vissim und PTV Viswalk konnten verschiedene Szenarien analysiert und die Verkehrsführung rund um das Stadion optimiert werden.

Projektziele

Unser Ziel bei Ridge war es, einen sicheren und leistungsfähigen Verkehrsablauf für den Spielbetrieb zu entwickeln. Gemeinsam mit dem Oxfordshire County Council, National Highways sowie den örtlichen Verkehrsunternehmen entstand eine Mobilitätsstrategie, die sowohl den Individualverkehr als auch den öffentlichen Verkehr und die Fußgängerströme berücksichtigt.

Mit PTV Vissim wurde das bestehende und zukünftige Straßennetz simuliert, während PTV Viswalk die Bewegungen der Besucher rund um das Stadion modellierte.

Die Simulationen zeigten, dass Zuschauer das Gelände sicher erreichen und verlassen können, die umliegenden Wohngebiete möglichst wenig belastet werden und das Verkehrskonzept auch unter hoher Auslastung zuverlässig funktioniert. Gleichzeitig lieferten die Ergebnisse eine belastbare Grundlage für die Abstimmung mit allen Projektbeteiligten.

Verkehrssimulation rund um das Stadion: Herausforderungen an Spieltagen

Fußballspiele führen innerhalb kurzer Zeit zu außergewöhnlich hohen Verkehrsbelastungen. Vor Spielbeginn konzentrieren sich die Anreisen auf wenige Stunden, nach dem Schlusspfiff verlassen Tausende Besucher nahezu gleichzeitig das Stadion.

Damit Besucher sicher unterwegs sind, müssen Straßen zeitweise gesperrt, Umleitungen eingerichtet und Busverkehre zuverlässig aufrechterhalten werden. Gleichzeitig soll die Erreichbarkeit der angrenzenden Wohngebiete gewährleistet bleiben.

Vor diesem Hintergrund sollte das Transport-Modelling-Team von Ridge unter anderem folgende Fragen beantworten:

  • Wie lange sollten Straßensperrungen bestehen bleiben?
  • Welche Umleitungsstrecken sind am besten geeignet?
  • Wann können gesperrte Straßen wieder freigegeben werden?
  • Wie schnell baut sich der Verkehr nach Spielende wieder ab?

Die Simulation lieferte dafür belastbare Kennzahlen sowie anschauliche Visualisierungen, die die Entscheidungsfindung erleichterten.

Der Simulationsansatz

Für die Untersuchung wurden zwei jeweils fünfstündige Verkehrsmodelle erstellt, die den Bereich nördlich von Oxford sowie Kidlington abbilden. Berücksichtigt wurden zwei typische Veranstaltungsszenarien:

  • ein Spiel an einem Werktag (18:00 bis 23:00 Uhr)
  • ein Spiel am Wochenende (14:00 bis 19:00 Uhr)

In den Modellen wurden Pkw, leichte und schwere Nutzfahrzeuge, Linienbusse, Shuttlebusse sowie der Fußgängerverkehr berücksichtigt.

Zusätzlich entstand mit PTV Viswalk eine Fußgängersimulation für einen vollständig ausverkauften Spieltag. Sie zeigte, wie sich Besucher vor und nach dem Spiel über das Gelände bewegen und wie sich temporäre Straßensperrungen auf die Wegebeziehungen auswirken.

Für die Verkehrsführung wurden zeitgesteuerte Umleitungen modelliert. Mithilfe fester Routen und zeitabhängiger Attributänderungen konnten Sperrungen und Umleitungen minutengenau aktiviert und wieder aufgehoben werden. Dadurch ließ sich exakt nachvollziehen, wann sich der Zustand des Verkehrsnetzes verändert.

Da innerhalb jedes Szenarios zwei unterschiedliche Sperrphasen bewertet werden mussten, entschied sich das Projektteam bewusst für feste Routen anstelle einer dynamischen Verkehrsumlegung.

Anschließend wurde das Modell anhand von Verkehrszählungen, Reisezeiten und Warteschlangen kalibriert. Auch die Fahrzeiten der Buslinien wurden mit Daten der Verkehrsunternehmen abgeglichen und mithilfe der Link-Visualisierung in PTV Vissim überprüft. Die Ergebnisse wurden in einem Local Model Validation Report dokumentiert.

Erkenntnisse aus der Modellierung

Um die Auswirkungen der geplanten Verkehrsführung zuverlässig zu bewerten, wurden verschiedene Leistungskennzahlen (KPIs) herangezogen. Denn einzelne Kennzahlen allein können ein verzerrtes Bild vermitteln. Deshalb analysierte das Team unter anderem Verkehrsaufkommen, Reisezeiten und Warteschlangen, um die Auswirkungen der Umleitungen ganzheitlich zu bewerten.

Auch die Fahrzeiten der Buslinien wurden mit den Daten der Verkehrsunternehmen verglichen. Neben Durchschnittswerten flossen dabei auch Perzentile in die Auswertung ein, um die Zuverlässigkeit des Verkehrs unter unterschiedlichen Bedingungen realistisch abzubilden und eine belastbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen.

Darüber hinaus stand nicht nur die Leistungsfähigkeit des Verkehrsnetzes im Fokus, sondern auch der spätere Betrieb. Untersucht wurden unter anderem die Vorrangschaltung für Busse während temporärer Straßensperrungen, Taktung und Haltezeiten der Shuttlebusse sowie die Erreichbarkeit angrenzender Wohngebiete während der Abreisephase nach Spielende.

Ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation mit den Projektbeteiligten waren animierte Simulationen. Statt lediglich den Ist-Zustand zu zeigen, veranschaulichten sie die zeitliche Entwicklung des Verkehrs: Warteschlangen entstanden und lösten sich wieder auf, Straßen wurden minutengenau freigegeben und die Stabilisierung des Busverkehrs wurde sichtbar. Diese Darstellungen machten selbst komplexe Zusammenhänge auch für fachfremde Stakeholder leicht nachvollziehbar.

Herausforderungen und Lösungen

Während des Projekts galt es, verschiedene Herausforderungen zu bewältigen.

Da ein Teil der Eingangsdaten aus unterschiedlichen Erhebungszeiträumen stammte, wurden sämtliche Datensätze zunächst harmonisiert. Alle Anpassungen wurden dokumentiert und durch Sensitivitätsanalysen ergänzt, um Unsicherheiten transparent zu machen und die zugrunde liegenden Annahmen nachvollziehbar zu dokumentieren.

Auch die Daten zum Busverkehr lagen in unterschiedlichen Formaten vor. Deshalb wurden sie zunächst standardisiert und anschließend mithilfe von Floating-Car-Daten sowie Fahrplänen überprüft. Neben Durchschnittswerten wurden erneut Perzentile ausgewertet, um die Zuverlässigkeit der Ergebnisse umfassend zu bewerten.

Besonders aufwendig war die Modellierung der Umleitungen. Da jede feste Route sowohl den regulären als auch den umgeleiteten Verlauf abbilden musste, wurden entsprechende Routen dupliziert und über Attributänderungen zeitgesteuert aktiviert. Dieser Ansatz erforderte zwar zusätzlichen Modellierungsaufwand, erleichterte jedoch die spätere Qualitätssicherung erheblich. Jede Änderung wurde eindeutig dokumentiert und mit einem Zeitstempel versehen.

Hinzu kamen unterschiedliche Anforderungen der Projektbeteiligten. Während sich die lokalen Behörden vor allem für die Auswirkungen auf die umliegenden Wohngebiete interessierten, lag der Schwerpunkt der Straßenverkehrsbehörden auf der Stabilität des übergeordneten Straßennetzes. Mithilfe gezielter Szenarien konnten beide Fragestellungen fundiert untersucht werden.

Die Ergebnisse

Die Simulation bestätigte, dass temporäre Straßensperrungen und Umleitungen während des Spielbetriebs praktikabel umgesetzt werden können. Gleichzeitig konnten die Auswirkungen auf Reisezeiten für den Individualverkehr, den Linienverkehr sowie Shuttlebusse sowohl an Werktagen als auch an Wochenenden präzise quantifiziert werden.

Auch die Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte wurde nachgewiesen. Potenzielle Rückstaus wurden frühzeitig erkannt und durch angepasste Signalsteuerungen sowie gezielte Verkehrslenkung entschärft. Darüber hinaus konnte der optimale Zeitpunkt für die Wiederfreigabe gesperrter Straßen bestimmt werden, sodass sich Warteschlangen möglichst schnell auflösen und der Verkehrsfluss zügig normalisiert.

Ein weiterer Vorteil des Modells war seine hohe Flexibilität. Unterschiedliche Sperrzeiten, alternative Umleitungsführungen oder verschiedene Taktungen der Shuttlebusse ließen sich unkompliziert testen und miteinander vergleichen. Diese Szenarien bildeten eine wertvolle Grundlage für die Abstimmung mit den beteiligten Behörden und Projektpartnern.

Besonders wichtig war jedoch der Beitrag zur Entscheidungsfindung. Die anschaulichen Visualisierungen ergänzten Tabellen und Diagramme und machten die Auswirkungen der verschiedenen Maßnahmen unmittelbar verständlich. Dadurch konnten Diskussionen auf eine gemeinsame, datenbasierte Grundlage gestellt und Entscheidungen deutlich effizienter getroffen werden.

Erkenntnisse für die Planung großer Veranstaltungsstätten

Nach der Genehmigung richtet sich der Fokus des Projekts nun auf die nächsten Umsetzungsschritte – darunter vertragliche Vereinbarungen, die Bauvorbereitung sowie die operative Planung für den späteren Stadionbetrieb. Mit der Fertigstellung des Stadions wird im Laufe dieses Jahrzehnts gerechnet.

Die Erkenntnisse aus diesem Projekt lassen sich jedoch weit über das neue Stadion von Oxford United hinaus übertragen. Auch bei Fußballstadien, Rugby-Arenen, Motorsportveranstaltungen oder großen Konzertlocations stehen Planer häufig vor vergleichbaren Herausforderungen.

Aus dem Projekt lassen sich daher folgende Empfehlungen ableiten:

  • Verkehrssimulation frühzeitig einsetzen, um Infrastruktur und Betriebsabläufe bereits in der Planungsphase zu optimieren.
  • Temporäre Straßensperrungen mit festen Routen und zeitgesteuerten Attributänderungen modellieren.
  • Verkehrsmodelle anhand von Verkehrszählungen, Reisezeiten, Warteschlangen und der Zuverlässigkeit des ÖPNV validieren.
  • Umleitungen nicht nur nach ihrer Kapazität, sondern auch im Hinblick auf den späteren Betrieb bewerten.
  • Veränderungen im Zeitverlauf mit Animationen visualisieren, um komplexe Abläufe verständlich zu kommunizieren.
  • Eine Szenariobibliothek aufbauen, um unterschiedliche Veranstaltungs- und Betriebskonzepte effizient analysieren und vergleichen zu können.

Verkehrs- und Fußgängersimulation für Eventlocations

Die Mikrosimulationen von PTV Vissim unterstützen Städte und Veranstalter dabei, regelkonforme Mobilitätskonzepte für Veranstaltungstätten zu entwickeln.

Webinar: Simulationsgestützte Planung von Veranstaltungen

Dieses Webinar konzentriert sich darauf, wie Fußgänger- und Verkehrssimulationen die Kapazitätsplanung über die gesamte Zuschauerreise hinweg unterstützen – von der Ankunft und Sicherheitskontrollen bis hin zur Zirkulation in der Eventlocation.