Mitten im Herzen von Paris, an der Avenue des Champs-Élysées, zählt das Grand Palais zu den bekanntesten Kulturdenkmälern Frankreichs. Das Gebäude entstand zur Weltausstellung im Jahr 1900 und spiegelt bis heute die kulturelle und architektonische Entwicklung des Landes wider.

Jährlich besuchen mehr als 2,5 Millionen Menschen das Grand Palais. Rund 40 Veranstaltungen finden hier jedes Jahr statt – von Ausstellungen und Konferenzen bis hin zu Messen und kulturellen Events. Damit gehört das Grand Palais zu den meistbesuchten Museen Frankreichs.

Neben wechselnden Ausstellungen beherbergt der Gebäudekomplex unter anderem das Wissenschaftsmuseum Palais de la Découverte mit Ausstellungen zu Mathematik, Physik, Astronomie, Chemie, Geologie und Biologie. Auch während der Olympischen Spiele 2024 in Paris spielte das Grand Palais eine zentrale Rolle und war Austragungsort der Fecht- und Taekwondo-Wettbewerbe.

Historisches Erbe und moderne Nutzung in Einklang bringen

Im Jahr 2014 wurde Systematica gemeinsam mit dem Pariser Architekturbüro LAN Architecture im Rahmen eines internationalen Wettbewerbs mit der Neugestaltung des Grand Palais beauftragt.

Ziel der Sanierung war es, den historischen Charakter des Gebäudes zu bewahren und gleichzeitig die Voraussetzungen für eine zeitgemäße, multifunktionale Nutzung zu schaffen. Dabei sollte die ursprüngliche Architektur der Ausstellungshallen erhalten bleiben und gleichzeitig Raum für neue Anforderungen entstehen.

Das Ergebnis zeigt, wie sich ein denkmalgeschütztes Gebäude erfolgreich in einen modernen Veranstaltungs- und Museumsstandort verwandeln lässt, an dem Ausstellungen, Veranstaltungen und weitere Nutzungen harmonisch nebeneinander bestehen können.

Besucherströme simulieren

Systematica war innerhalb des Projekts für die Planung der Besucherbewegungen sowie der internen Logistik verantwortlich.

Das Ziel bestand darin, die verfügbaren Flächen optimal zu nutzen und gleichzeitig eine höhere Zahl gleichzeitig anwesender Besucher sicher zu bewältigen. Dafür mussten sowohl die architektonische Gestaltung als auch das spätere Besuchermanagement aufeinander abgestimmt werden.

Eine besondere Herausforderung bestand darin, sehr unterschiedliche Besuchergruppen gleichzeitig zu berücksichtigen. Über den neuen Museumseingang am Square Jean Perrin wurden täglich zwischen 16.500 und 22.000 Besucher erwartet. Bei Großveranstaltungen wie Konzerten, Kunstmessen oder Modenschauen kamen zusätzlich bis zu 20.000 Besucher pro Tag über den monumentalen Eingang an der Avenue Winston Churchill in den zentralen Ausstellungsbereich.

Mit Fußgängersimulation fundierte Entscheidungen treffen

Um unterschiedliche Nutzungsszenarien bewerten zu können, entwickelte Systematica ein dynamisches Mikrosimulationsmodell in PTV Viswalk.

Die Simulation diente sowohl als Planungsinstrument während der Entwurfsphase als auch als Grundlage für die spätere Betriebsplanung. Verschiedene Besucherströme und Managementkonzepte konnten unter realistischen Bedingungen getestet und miteinander verglichen werden.

Berücksichtigt wurden sämtliche Stationen des Besucherwegs – von den Eingangs- und Sicherheitskontrollen über Ticketschalter, Garderoben und Audioguide-Ausgaben bis hin zu Treppen, Aufzügen sowie geführten Gruppen.

Aufgrund der unterschiedlichen Besuchergruppen und Nutzungsszenarien lag ein besonderer Fokus auf der Analyse kritischer Bereiche innerhalb des Gebäudes. Mithilfe der Simulation konnten optimale Laufwege sowie passende Origin-Destination-Matrizen (OD-Matrizen) für die verschiedenen Besucherströme entwickelt werden.

Zu den wichtigsten Auswertungsergebnissen gehörten:

  • Reisezeiten innerhalb des Gebäudes
  • Personendichten
  • Level of Service (LoS)
  • Wartezeiten

Diese Kennzahlen dienten dazu, die geplanten Gebäudekapazitäten mit den erwarteten Besucherzahlen abzugleichen und sicherzustellen, dass sich unterschiedliche Besucherströme effizient organisieren lassen. Gleichzeitig konnte ein hoher Komfort für alle Gäste gewährleistet werden.

Die Analyse der Flächenauslastung, Personendichten und Besucherströme führte schließlich zu mehreren Optimierungen im Gebäudekonzept. Dazu gehörten unter anderem:

  • die Neuorganisation von Ein- und Ausgängen,
  • Einbahnführungen auf ausgewählten Besucherwegen,
  • definierte Kontroll- und Wartebereiche,
  • die Erweiterung einzelner Wartezonen sowie
  • eine zeitliche Abstimmung der Öffnungszeiten verschiedener Ausstellungen.

Auf diese Weise konnten potenzielle Engpässe bereits im Planungsprozess erkannt und vermieden werden. Das Ergebnis ist ein Besucherkonzept, das sowohl einen reibungslosen Betrieb als auch ein angenehmes Besuchserlebnis unterstützt.

Fußgängerströme realistisch simulieren

PTV Vissim und PTV Viswalk simulieren Fußgängerbewegungen und Personenströme in komplexen multimodalen Umgebungen. 

Wenn viele Menschen aufeinandertreffen …

Mit PTV Viswalk können Sie Fußgängerströme und Crowd-Dynamiken in komplexen Umgebungen wie Bahnhöfen, Veranstaltungsorten und urbanen Zentren simulieren.