Mit dem Projekt „Addis Abeba City – Smart Mobility 2025“ hat sich die äthiopische Hauptstadt viel vorgenommen: Die Verkehrsleitzentrale Addis Abeba soll den Verkehr sicherer machen und besser regulieren, Staus verringern und den CO2-Ausstoß senken. Das sind wichtige Ziele für die Metropole. Denn das verhältnismäßig rasche Wirtschaftswachstum und die Bevölkerungsexplosion der letzten Jahre haben zu großen Herausforderungen und Belastungen für die sozioökonomische Infrastruktur geführt. Das gilt auch für das Verkehrsnetz.

Seit 1950 hat sich die Bevölkerung verzehnfacht auf 4 Millionen. Bis 2050 rechnet man mit 13 Millionen Einwohner*innen. Damit ist Addis Abeba eine der am schnellsten wachsenden Metropolen der Welt. Zur Rush Hour liegt hier die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 10 Stundenkilometern. Zudem sind die meisten Fahrzeuge sehr alt und verschmutzen stark die Umwelt. Die Zahl der Verkehrstoten liegt jährlich zwischen 400 und 500 (im Vergleich dazu weist Berlin zwischen 40 und 50 Getötete im Straßenverkehr jährlich auf).

Die neue ultramoderne Verkehrsleitzentrale Addis Abeba soll auch dabei helfen, die Verkehrsunfälle im ganzen Land zu reduzieren. Sie wird 27 Millionen Dollar kosten und von der China Communication Construction Company (CCCC) binnen 18 Monaten errichtet – vier Stockwerke tief! Bürgermeister Takele Uma, selbst Ingenieur, leitete die Bauarbeiten für die Verkehrsleitzentrale ein. Sie wird Büros, einen Verkehrsleitstand, Informationsverarbeitungs- und Kriminalitätskontrollstellen sowie Unfallregistrierungsbereiche umfassen.

Verkehrsmanagement in der Metropole mit System

Die Expert*innen der PTV unterstützen, gemeinsam mit weiteren internationalen Partnern, die äthiopische Metropole mit einem ITS-Masterplan und einem Betriebskonzept für das gesamte Stadtgebiet. Beides soll den Rahmen für alle künftigen ITS-Entwicklungen in Addis Abeba City bieten und eine nahtlose Integration der Technologien und -strategien für das Projekt und die künftige Einführung durch den Kunden gewährleisten.

Im Fokus stehen Verkehrsmanagement und Verkehrssicherheit. Hier unterstützt die PTV Transport Consult GmbH bei der Planung von Knotenpunkten und Korridoren, mit einem starken Fokus auf der Verkehrssicherheit von Rad- und Fußverkehr.

„Wir begleiten die Planung von mehr als 250 Knotenpunkten im Stadtgebiet mit Hinweisen und Maßnahmen zur verkehrssicheren Gestaltung. Interessant dabei ist, dass – obwohl Radverkehr in Addis aktuell quasi nicht existiert – Radverkehrsanlagen eine große Rolle bei der Planung spielen“, so Dr.-Ing. Hagen Schüller, der das Team der PTV leitet. Hinzu kommt die Arbeit an der Verkehrsleitzentrale. Dazu entwerfen die Expert*innen die Systemarchitektur. Das umfasst die notwendige Hard- und Software – von den Datenbankservern bis zur Videowand im Control Room.

„Außerdem sind wir an der Entwicklung der straßenseitigen ITS-Ausstattung sowie dem zentralen Verkehrsmanagementsystemen beteiligt“, berichtet Schüller. Dazu gehört der Anschluss an die Kommunikationssysteme und die Anbindung an die zentralen Systeme in der neuen Verkehrsleitzentrale. Die wird dann Informationen über die Verkehrsbedingungen liefern, die Signalsteuerung je nach Verkehrsfluss ändern und Verkehrsverstöße feststellen.

Internationales Projekt in Zeiten von Corona

Und wie arbeitet es sich inzwischen, seit die Pandemie die Welt im Griff hält?

„Bisher ganz gut. Wir haben uns schnell angepasst. Statt Reisen nach Afrika arbeiten wir jetzt mobil und stimmen uns in Videokonferenzen innerhalb des sehr internationalen Teams ab. Die Projektarbeit geht jedenfalls unter Volllast weiter“, sagt Schüller.

Internationale Projekte, hochmoderne Verkehrsleitzentralen

Mobilität für alle, sichere Straßen und weniger CO2 – gelingen kann dies mit passenden Konzepten für Ihre Stadt.

Über:

Ob Fußgängerfreundlichkeit, ÖPNV oder Citylogistik – Petra interessiert, wie sich Menschen und Güter nachhaltig und effizient in Richtung einer besseren Zukunft bewegen. Sie schreibt über Forschungsprojekte, urbane Logistik und Mobilitätskonzepte.

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