Längst sind in den Städten außer Fahrrädern auch viele weitere Kleinstfahrzeuge unterwegs. E-Roller, E-Bikes oder auch motorisierte Skateboards sind für Kurzstrecken enorm beliebt geworden. Aber ist Mikromobilität sicher?

Mit dieser Frage befasst sich ein aktueller Bericht des Weltverkehrsforums (International Transport Forum – ITF). Dazu haben Expert*innen des Corporate Partnership Boards (CPB) Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit E-Scootern und anderen Mikrofahrzeugen untersucht. Dabei zeigte sich beispielsweise, dass der Verkehr insgesamt sicherer wird, wenn Fahrten mit Kleinstfahrzeugen diejenigen mit dem Auto oder Motorrad ersetzen.

Tipps für mehr Sicherheit

Außerdem enthält der Bericht auch zehn Empfehlungen zur sicheren Gestaltung der Mikromobilität. Sie richten sich an Politik und Stadtplanung, aber auch an Betreiber*innen und Hersteller*innen. So sind beispielsweise verkehrsberuhigte Zonen und geschützte Spuren empfehlenswert.  Mikromobilität sollte Teil der Ausbildung der Verkehrsteilnehmer*innen werden. Zudem müsse Trunkenheit am Steuer ebenso bekämpft werden wie Überschreitungen der Geschwindigkeit bei allen Fahrzeugtypen. Die komplette ITF-Studie (auf Englisch) steht zum kostenlosen Download bereit.

Schon in der Vergangenheit hat die PTV Group, die zum Gründerkreis des CPB des ITF gehört, gemeinsam mit Projektpartner*innen aktuelle Fragestellungen zur Mobilität in Studien untersucht. Beispielsweise bei der Lissabon-Studie.

Was sagt der Experte: Ist Mikromobilität sicher?

Wir haben mit Alexandre Santacreu, Policy Analyst, Road Safety, vom ITF und Hauptautor des Berichts über die Ergebnisse gesprochen.

Die Studie zur sicheren Mikromobilität enthält eine Vielzahl von Definitionen und Empfehlungen. Welche neuen Erkenntnisse haben Sie besonders beeindruckt?

Alexandre Santacreu, Policy Analyst, Road Safety, International Transport Forum, OECD
-Alexandre Santacreu, Policy Analyst, Road Safety, International Transport Forum, OECD

Alexandre Santacreu: Was mich beeindruckt hat, ist die Vielfalt der Mikrofahrzeuge, abgesehen von den heute allgegenwärtigen E-Scootern. Zum Beispiel elektrische Skateboards und Rollschuhe, E-Bikes mit Pedal- oder Gashebelunterstützung oder auch elektrische Einräder. Diese Vielfalt macht die Klassifizierung, Regulierung und Durchsetzung von Regeln sehr schwer. Deshalb erwähnen wir in unserer Klassifizierung nur Gewicht und Geschwindigkeit.

Gab es für Sie persönlich einen überraschenden Aspekt des Berichts?

Alexandre Santacreu: Ich war überrascht, dass E-Scooter-Fahrten nicht gefährlicher sind als Fahrradtouren. Dies deutet darauf hin, dass das Thema Sicherheit von E-Scootern in den Medien eine unverhältnismäßig große Aufmerksamkeit erfährt. Das soll nicht von den grundlegenden Sicherheitsmängeln eines Transportsystems ablenken. So existieren oft keine geschützten Fahrspuren und Wege für die Menschen, die Fahrrad oder E-Scooter fahren.

Gerade im Blick auf Nachhaltigkeit in den Bereichen globale Sicherheit, Gesundheit und Umwelt sollte es die Mobilitätspolitik der Stadt- und Verkehrsplanung sein, den Reiseverkehr auf sauberere, sicherere und erschwingliche Verkehrsmittel zu verlagern. Dazu zählen der öffentliche Verkehr, das Gehen sowie die Fortbewegung mit Mikrofahrzeugen. Diese Empfehlung findet sich auch in der Erklärung von Stockholm. Sie enthält die Schlussfolgerungen der 3. globalen Ministerkonferenz zur Verkehrssicherheit im letzten Februar.

Welchen Beitrag können Verkehrsmodellierung und -simulation beim Thema sichere Mikromobilität leisten?

Alexandre Santacreu: In der Vergangenheit haben Simulationswerkzeuge oft den Status quo begünstigt. Dabei wurde das Potenzial für Verkehrsverlagerungen und Verkehrsvermeidung (traffic evaporation) vernachlässigt. Deshalb hoffe ich, dass solche Tools den Behörden jetzt dabei helfen, ehrgeizige Pläne zum Schutz von Menschen zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei der Wahl der Mikromobilität zu entwickeln und zu testen. Solche Pläne umfassen breitere geschützte Fahrradwege, Fußgängerzonen, gemeinsam genutzte Straßen, Bereiche, in denen der Durchgangsverkehr eliminiert wird, und andere Lösungen.

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Über:

Ob Fußgängerfreundlichkeit, ÖPNV oder Citylogistik – Petra interessiert, wie sich Menschen und Güter nachhaltig und effizient in Richtung einer besseren Zukunft bewegen. Sie schreibt über Forschungsprojekte, urbane Logistik und Mobilitätskonzepte.

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