Das E-Auto soll seinen Durchbruch auf dem Massenmarkt feiern – ein flächendeckendes Ladeinfrastrukturnetz soll dieses Vorhaben unterstützen. Derzeit gibt es in Deutschland 21.000 öffentliche Ladepunkte. Die Industrie fordert bis Ende 2021 eine Ausweitung des bundesweiten Ladenetzes auf 80.000 – 100.000. Diese Forderung aufgreifend, weitet die Bundesregierung das Ziel aus: bis 2030 sollen eine Million öffentliche Ladepunkte für Elektroautos realisiert werden. Für die Umsetzung folgt die Bundesregierung einem offiziellen „Masterplan Ladeinfrastruktur“.

Unter anderem wird darin festgelegt, dass der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Deutschland bis 2023 mit über 3 Milliarden subventioniert wird und der Ausbau in Zusammenarbeit mit der Automobil- und Energieindustrie erfolgt. Die Industrien liefern notwendige Informationen für eine vorrausschauende Infrastrukturplanung (z.B. Bestellungen von E-Fahrzeugen) und schaffen Rahmenbedingungen für einen verbraucherfreundlichen Betrieb (z. B. Informationen zu Belegungsstatus, transparente Preisgestaltung und benutzerfreundliche Bezahlmöglichkeiten).

Für ein effizientes Ladeinfrastrukturnetz müssen die besten Standorte bereits in der Planungsphase ermittelt werden. Mit der Verkehrsplanungssoftware PTV Visum können routenbasierte Analysen durchgeführt werden, wie sie bereits für Standortanalysen mit anderen Fragestellungen genutzt werden. Die Software baut auf diesen Ergebnissen auf und bewertet die potenziellen Standorte für E-Ladestationen nicht nur nach der Verkehrsmenge am Standort, sondern auch danach, ob die dort vorbeifahrenden Fahrzeuge auf ihrer Route an bereits existierenden E-Ladestationen vorbeikommen. So lässt sich ermitteln, wo E-Ladestationen errichtet werden müssten, um Lücken im Ladeinfrastrukturnetz zu schließen und bisher noch nicht abgedeckte Langstrecken-Verkehrsströme bedienen zu können.

Eine mögliche Ladeinfrastruktur für das Bundesland Hessen

Eine Analyse am Beispiel Hessen lässt Potenziale im Ausbau der Ladeinfrastruktur erkennen und gibt Hinweise darauf, wo und in welcher Reihenfolge E-Ladestationen errichtet werden sollten, um den Bedarf der Verkehrsströme abzudecken und die Angst vor begrenzter Reichweite zu minimieren. Der Untersuchung zu Grunde liegt Validate, das deutschlandweite Verkehrsmodell der PTV Group.

ladeinfrastruktur
Standortbewertung für die E-Tankstellen-Ladeinfrastruktur in Hessen
Standortbewertung für die E-Tankstellen-Ladeinfrastruktur in Hessen.
  • Unter der Annahme einer Batteriekapazität von 30 kWh pro Elektroauto gibt es laut Validate-Modell in Hessen insgesamt 38.388 Langstreckenfahrten pro Werktag, die nur dann mit einem E-Fahrzeug absolviert werden können, wenn zwischendurch aufgeladen wird.
  • Auf Basis einer Vorauswahl (im angeführten Beispiel wurden die bestehenden 54 Autobahntankstelle und Autohöfe in Hessen ausgewählt) konnten die besten Ladestationen ermittelt werden, um so viele Fahrten wie möglich unter Berücksichtigung bereits vorhandener Standorte abzudecken.
  • Die Reihenfolge, in welcher diese Standorte eingerichtet werden, um so viele Langstreckenfahrten wie möglich mit der geringstmöglichen Anzahl an Ladestationen abzudecken.
  • Zehn Standorte entlang der hessischen Autobahnen mit E-Ladestationen sind ausreichend, um mindestens 50 % aller Fernfahrten abzudecken.

In einem zweiten Schritt ließe sich über eine Modellanalyse auch ermitteln, welche Kapazitäten die jeweiligen E-Ladestationen haben müssten, um den prognostizierten Bedarf an Ladevorgängen zu erfüllen.

Deutschland ist größter Absatzmarkt für Elektrofahrzeuge

Warum ist eine solche Analyse erforderlich? Die Förderung von Elektrofahrzeugen ist ein wesentlicher Bestandteil nachhaltiger Verkehrspolitik. Das bereits erfolgte Ausmaß der Luftverschmutzung kann erheblich reduziert werden, wenn Elektroautos herkömmliche Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren nach und nach von unseren Straßen verdrängen. Um das Zwei-Grad-Ziel des Pariser Abkommens zur Begrenzung der globalen Erderwärmung einzuhalten, müssten nach Angaben der Internationalen Energieagentur bis zum Jahr 2040 weltweit 600 Millionen Autos durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden.

Mehrere Länder, darunter Großbritannien, Frankreich und Indien, wollen in weniger als 25 Jahren auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verzichten. Auch China mit dem weltweit größten Automobilmarkt (allein über 28 Millionen verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2016) erregte Aufmerksamkeit mit seiner Absichtserklärung, den Verkauf und die Produktion von Verbrennungsmotoren künftig zu verbieten. Erste Ergebnisse waren bereits 2018 spürbar als der Automobilabsatz in China mit rund 23,7 Millionen verkauften Einheiten zum ersten Mal seit 2008 rückläufig war. In Deutschland ist die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen besonders hoch – der Markt verzeichnet seit 2016 Wachstumsraten von über 100 %. 2019 ist Deutschland Europas größter Absatzmarkt für E-Fahrzeuge – noch vor Vorreiterland Norwegen. Unter anderem ist das das Ergebnis vieler Maßnahmen, wie die erheblichen Einsparpotenziale bei Kfz-Steuer und Betriebskosten und einer immer besser werdenden Ladeinfrastruktur.

Angesichts dieser deutlichen Trendwende ist jetzt die Bundesregierung am Zug. Die beschleunigte Vermarktung der E-Fahrzeuge bringt einen steigenden Bedarf an E-Ladestationen mit sich. Der „Masterplan Ladeinfrastruktur“ kommt also genau zum richtigen Zeitpunkt.

Alles eine Frage der Planung

Untersuchen Sie die Auswirkungen geplanter Baumaßnahmen, führen Sie Verkehrsuntersuchungen durch oder nutzen Sie detaillierte Standortanalysen für Ihre Planung. Je besser Sie im Vorfeld planen, umso mehr Geld und Zeit sparen Sie bei der Realisierung.

Über:

Anna beschäftigt sich mit einer Vielzahl an Themen – von der Verkehrsmodellierung und -simulation bis hin zum dynamischen Mobilitätsmanagement-System für ganze Städte und Regionen. Sie hat den Blick fest auf innovative Projekte gerichtet und berichtet über Menschen, die Mobilität neu denken.

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