Die Einschränkungen aufgrund der Coronakrise der letzten Wochen haben schlagartig dazu geführt, dass sich Verkehrsaufkommen und Staus auf unseren Straßen verringert haben. Viele Pendler*innen arbeiten aktuell von zu Hause aus oder mussten ihre Arbeit ganz einstellen. Wer trotzdem noch mit dem Auto unterwegs ist, kommt aktuell viel schneller und besser durch.

In der Regel sind auf Straßen mit Ampeln zur Rushhour „Grüne Wellen“ geschaltet, um einer Verkehrsüberlastung entgegenzuwirken. In der Coronakrise gibt es aber kaum Staus, die Straßen sind leer. So ist zum Beispiel die Verkehrsbelastung in deutschen Städten teilweise um fast 40 Prozent gesunken.

Aber genau diese leeren Straßen verleiten viele Autofahrer*innen dazu, Gas zu geben. Ein ähnliches Phänomen entsteht sonst nur während der Ferien, wenn viele Menschen gleichzeitig im Urlaub sind. Bleibt die derzeitige Situation nun aber über mehrere Monate bestehen, könnte dies zu einem höheren Unfallrisiko führen und vor allem für Radfahrer*innen oder Fußgänger*innen gefährlich werden.

Tempolimits für mehr Sicherheit

PTV Fahrsimulator
Mit dem PTV-Fahrsimulator wurden Kreuzungen in Santa Cruz, Bolivien, untersucht.

Hohe Geschwindigkeiten sind im Straßenverkehr laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation ein großer Unfall-Risikofaktor. Dies hat auch eine Studie der PTV in der bolivianischen Stadt Santa Cruz de la Sierra gezeigt.

In der Studie wurde modelliert, wie sich verschiedene Geschwindigkeitsbegrenzungen und ihre Überwachung durch Behörden, beispielsweise durch Blitzer, auf die Sicherheit auswirken. So wurden die Zahl an Beinahezusammenstößen und tatsächlichen Unfällen mit einer Reihe von Gegenmaßnahmen in Korrelation gebracht. Darüber hinaus konnten per PTV-Fahrsimulator gefährliche Situationen an Kreuzungen untersucht werden. Wie verhalten sich Fahrer*innen bei unterschiedlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen, wenn Fußgänger*innen involviert sind?

Die Studie zeigte, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen dabei helfen, die Zahl der Unfälle durch Spurwechsel oder Auffahren zu verringern. Der Einsatz von Blitzern ist an Kreuzungen besonders effektiv. Die Kombination beider Maßnahmen führte in der durchgeführten Studie zu einer generellen Senkung der Unfallzahlen

Runter vom Gas

Je höher die Geschwindigkeit im Straßenverkehr, desto höher auch das Risiko der schwächeren Verkehrsteilnehmer*innen, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind, bei einem Unfall mit einem Kraftfahrzeug ernsthaft verletzt zu werden – das haben zahlreiche Sicherheitsstudien bestätigt. Bei Tempo 30 geht man zum Beispiel davon aus, dass neun von zehn in einen Unfall verwickelten Fußgänger*innen überleben. Bei nur zehn km/h mehr sinkt die Zahl auf fünf von zehn. Es gibt also einen guten Grund für 30er-Zonen.

2 Radfahrer*innen und 2 Fußgänger*innen
Radfahrer*innen und Fußganger*innen sind im Straßenverkehr besonders gefährdet.

In der aktuellen Situation gibt es ein weiteres Problem: Auch der Fußgänger- und Fahrradverkehr ist zurückgegangen. Nun könnte man zunächst denken, dass sich das positiv auf die Vision Zero auswirkt, weil dann auch weniger von ihnen in Unfälle verwickelt werden können. Doch das eigentliche Ziel von Vision Zero ist nicht nur, die Zahl der Todesopfer zu reduzieren, sondern das System Verkehr so zu gestalten, dass Unfälle möglichst keine fatalen Folgen haben.

Das Konzept „Safety in Numbers“ – Sicherheit in der Masse geht zudem davon aus, dass mit einer wachsenden Zahl Radfahrer*innen und Fußgänger*innen auf den Straßen auch ihre Sicherheit steigt. Schließlich nehmen sie Autofahrer*innen dann bewusster wahr, im Gegensatz zu einzelnen Radfahrer*innen oder Fußgänger*innen, die man leichter übersieht.

Unfälle in der Coronakrise reduzieren

PTV Vissim
PTV Vissim zeigt wie sich Geschwindigkeitsanzeigen auswirken.

Was können wir also tun, um das Risiko für Verkehrsunfälle während der aktuellen Coronakrise zu vermindern? Der Rückgang an Fußgänger*innen und Radfahrer*innern in Kombination mit höheren Fahrzeuggeschwindigkeiten ist ein unmittelbares Problem, bei dem sofort gegengesteuert werden muss.

Aus der bolivianischen Studie der PTV kann man schließen, dass Tempolimits und Blitzer Vorteile für alle Verkehrsteilnehmer*innen mit sich bringen. Mit Hilfe von PTV Software können Verkehrsplaner*innen und -ingenieur*innen schnell Gegenmaßnahmen entwickeln, zum Beispiel eine andere Ampelschaltung oder temporäre Geschwindigkeitskontrollen, und deren Auswirkungen simulieren und visualisieren.

Auch die Platzierung von temporären Geschwindigkeitsanzeigen kann helfen, die Risiken zu minimieren.  PTV Vissim kann auch hier die Auswirkungen und Reaktionen der Autofahrer*innen simulieren.

Unvorhersehbare Situationen, wie wir sie aktuell in der Coronakrise erleben, zeigen wie wichtig vernetzte Mobilitätssysteme sind. Mit einem Urban Mobility System können Fragestellungen simuliert und Lösungen getestet werden. Karten und 3D-Animationen zeigen, wie neue Verkehrsmaßnahmen funktionieren und welche Ergebnisse zu erwarten sind. Damit liefern sie eine wichtige Entscheidungsgrundlage.

Mehr Verkehrssicherheit in Ihrer Stadt

Erfahren Sie, wie die PTV Urban Mobility Plattform durch Modellierung und Simulationen zu mehr Sicherheit auf den Straßen beitragen kann.

Über:

Als Kind baute Adam Lego-Städte und ausgeklügelte Sandkastenstrassen, was ihn zur Verkehrstechnik und Mobilität führte. Der erwachsene Adam strebt danach, ein verkehrskämpfender Superheld zu sein, weil er auf den Straßen Leben retten will - und verabscheut es, in Schlangen zu stehen. Er schreibt über Verkehrsoptimierung, Sicherheit und Arbeitsabläufe.

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