Die Elektromobilität ist aktuell in aller Munde, wenn es um das Thema CO2-Reduzierung im Verkehr geht. Auch in der Logistik. Zwar werden in der Stückgutlogistik und im Fernverkehr bisher nur wenige E-Fahrzeuge eingesetzt. Gerade in Städten, die mit Luftverschmutzungen zu kämpfen haben, wird der Transport von Gütern mit Elektro-Lkws aber immer attraktiver. Das Forschungsprojekt iHub, an dem auch das Research Team der PTV Group beteiligt war, untersuchte in den vergangenen drei Jahren den Einsatz von E-Lastwagen im Stadtverkehr.

Wie lässt sich eine gemischte Flotte aus elektrisch und konventionell betriebenen Lkws ökologisch und ökonomisch am sinnvollsten einsetzen? Dies herauszufinden war das Ziel des Projekts. Elektrofahrzeuge haben durch ihre begrenzte Reichweite und die lange Nachlade-Dauer einen scheinbaren Nachteil. Kann man also mit Elektro-Lkws flexibel planen und genauso gut liefern wie mit konventionellen Lastern?

Die richtige Planung ist wichtig

ihub Lastwagen
iHub: Michael Schygulla (r.) vom PTV Forschungsteam beim Projektpartner DB Schenker in Berlin.

„Das ist alles eine Frage der richtigen Planung und Steuerung“, sagt Michael Schygulla, Manager Research Logistics bei der PTV Group. „Bei iHub haben wir gemeinsam mit unseren Partnern eine IT-gestützte Plattform entwickelt, die alle wichtigen Komponenten wie Tourenplanung, Tourensteuerung, Auftragsverwaltung sowie das Energiemanagement einbezieht. Damit ist eine intelligente Steuerung der gemischten Flotte möglich.“

Mittels einer dynamischen Tourenplanung werden Transportaufträge nur dann einem Elektro-Lkw zugeteilt, wenn dieser den Auftrag mit der gleichen Zuverlässigkeit erledigen kann wie ein Diesel-Lkw. Dabei werden verschiedenste Parameter berücksichtigt, zum Beispiel Reichweite, Beladung oder auch die Länge der Verteilrouten.

Navigation speziell für Eletro-Lkw

„Die Disponentin oder der Disponent muss in der Lage sein, zusätzliche Aufträge, die zum Beispiel im Laufe des Tages reinkommen, in eine bestehende Tour mit aufzunehmen und dann zu sehen, wie es sich mit der Restreichweite und der Resttourlänge des entsprechenden E-Lkws verhält,“ erklärt der PTV-Forscher.

Eine wichtige Rolle beim Einsatz von Elektrolastwagen spielt zudem das Navigationssystem. Aus dem Standardprogramm der PTV für schwere Lkws (PTV Navigator) wurde deshalb eine Projektversion für E-Laster entwickelt. Auf der App für mobile Endgeräte lassen sich die unterschiedlichen Fahrzeugtypen mit verschiedenen technischen Daten, Abmessungen und Batteriekapazitäten, einstellen.

„Die speziell auf Elektro-Lkws ausgelegte Navigation macht durch eine möglichst exakte Reichweitenberechnung und die Anbindung ans Backend nicht nur den Alltagsbetrieb effizienter. Sie mindert auch die Reichweitenangst des Fahrers“, so Michael Schygulla.

Getestet wurde das Planungssystem ab dem Sommer 2018 beim Projektpartner DB Schenker in Berlin mit einer gemischten Flotte mit drei Elektro-Lkws mit bis zu 18 Tonnen Gesamtgewicht.  So konnten Daten, wie Verbrauch, Ladezustände und -zyklen aus dem Fahrzeug und den Touren gesammelt und analysiert werden.

„Im Laufe des Projekts haben sich die technischen Anforderungen und die Konzepte für die Umsetzung immer wieder geändert. Das war ein On-going-Process“, erinnert sich Michael Schygulla. „DB Schenker war ein sehr guter Praxispartner und Konsortialführer – sehr kooperativ und interessiert an zukunftsfähigen Lösungen.“

Einsatz von Elektro-Lkw ist möglich

Martin Mittler, Innovation Manager bei der DB Schenker AG, ergänzt: „Im Projekt iHub haben wir E-Truck-Applikationen in unserer Berliner Geschäftsstelle getestet und im realen Praxisbetrieb umfangreiche Erfahrungen sammeln können. Wir haben dabei intensiv und erfolgreich mit der PTV zusammengearbeitet und wichtige Erkenntnisse zum langfristigen Betrieb von Elektrofahrzeugen im Nahverkehr erhalten.“

Die Ergebnisse des Forschungsprojekts könnten nun auf größere Mischflotten aus Elektro- und konventionellen Lkws übertragen werden.

„Wir haben mit iHub gezeigt, dass der Einsatz von E-Lastern im Sammelgutverkehr gut möglich ist“, sagt Michael Schygulla. „Aktuell ist die wirtschaftliche Kalkulation von Stromern immer noch teurer als die von Verbrennern. Sobald es E-Fahrzeuge geben wird, die wettbewerbsfähig sind, werden Urbane Logistiker*innen ihre Flotten nach und nach umstellen – da bin ich mir sicher.“

Über iHub:

Projektleitung: Schenker Deutschland AG

Projektpartner: PTV Group, FRAMO GmbH, Fraunhofer IVI und Institut für Postfossile Logistik PFL

Projektdauer: Januar 2016 bis Ende 2019

Das Vorhaben wurde im Rahmen des Programms „IKT für Elektromobilität III“ des Bundesministeriums für Wirtschaft gefördert, ist damit Teil der „Digitalen Agenda 2014 bis 2017“ und unterstützt darüber hinaus die im Regierungsprogramm Elektromobilität beschriebenen Forschungsziele.

Vorausschauen – für die Mobilität von morgen

Wer die Mobilität der Zukunft gestalten will, muss immer am Ball bleiben. Deshalb engagiert die PTV Group sich in zahlreichen nationalen und internationalen Forschungsprojekten.

Über:

Von nachhaltigen Mobilitätsformen wie Radfahren über autonomes Fahren hin zu Road Safety und Strategien für die Letzte Meile: Steffi ist immer auf der Suche nach neuen Stories und fasziniert von der Fülle an spannenden Themen, die unsere Mobilität jeden Tag zu bieten hat.

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