E-Scooter haben in den letzten Jahren wie im Sturm unsere Städte erobert. Rideselling-Dienste wie Uber oder Lyft sind von den Straßen nicht mehr wegzudenken. Immer neue vielversprechende Mobilitätsangebote von immer neuen Anbietern drängen auf den Markt. Studien in Oslo und Köln haben sich bereit damit beschäftigt, wie autonome Fahrzeuge und Mobility-as-a-Service in Zukunft unser Stadtbild verändern werden. Eine neue Studie, die im Rahmen der der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) vom Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur in Auftrag gegeben wurde, ging nun der Frage nach, wie nachhaltig neue Mobilitätsangebote sind. Können diese zu einer Verkehrswende beitragen? Die PTV Group war gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und dem Beratungsunternehmen M-Five daran beteiligt.

„Die Studie ist eine der ersten, die sich umfassend mit Verlagerungswirkungen und Umwelteffekten neuer Mobilitätskonzepte im Personenverkehr beschäftigt“, erklärt Rimbert Schürmann von der PTV Transport Consult, der das Projekt leitete. „Unser Ziel war es, herauszufinden, wie sich neue Angebote im Zusammenspiel mit konventionellen, also dem öffentlichen Nahverkehr und dem privaten Pkw-Verkehr, bis 2030 bzw. 2050 entwickeln werden.“

Das Forschungsteam arbeitete zunächst eine umfassende Marktübersicht über die aktuellen Mobilitätsangebote und deren Nachfrage aus. Und sie analysierten, welche unterschiedlichen Faktoren die Menschen dabei beeinflussen, ihr Mobilitätsverhalten zu verändern.

„Die Verkehrsmittelwahl ist stark geprägt von Gewohnheiten und lässt sich nur schwer ändern. Daher haben uns mit den so genannten Pull-In- und Push-Out-Faktoren beschäftigt“, so Jakub Ritschny, ebenfalls von der PTV Transport Consult. „Als Pull-in werden die Faktoren bezeichnet, die Menschen ermutigen neue Mobilitätsformen zu nutzen. Push-Out Faktoren dagegen machen bisherige Angebote weniger attraktiv.“

Zwei mögliche Szenarien

In einem zweiten Schritt erarbeitete das Forschungsteam zwei mögliche Zukunftsszenarien. In Szenario A, dem „Behutsamen Mobilitätswandel“, ging man davon aus, dass bedarfsgerechte Beförderungsleistungen rechtlich erleichtert werden, sich in der Verkehrspolitik und im Verkehrsverhalten in den kommenden Jahren aber nur moderat etwas ändert.

Im Szenario B wurde ein „Umfassender Mobilitätswandel“ angenommen – also eine ganzheitlich gedachte, verkehrsträgerübergreifende und damit nachhaltige Verkehrswende. Die Politik fördert in diesem Szenario beispielsweise ganz gezielt den ÖPNV sowie den Rad- und Fußverkehr.

Da sich Angebotsbedingungen und die Nachfrage nach neuen Mobilitätsangeboten im urbanen und ländlichen Raum stark unterscheiden, betrachteten die Wissenschaftler*innen zudem vier verschiedene Lebensräume: Von der Großstadt über den städtischen und ländlichen Kreis bis hin zum dünn besiedelten ländlichen Raum.

„Um die Zukunftsszenarien zu validieren, haben wir im Anschluss verschiedene Fragenstellung mit PTV-Software simuliert“, erläutert Jakub Ritschny. „Wie effizient sind Rideselling- und On-Demand-Angebote in der Stadt und auf dem Land? Wie ändert sich die Fahrleistung, also die Gesamtzahl der Kilometer, die von allen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden? Wie verschiebt sich die Auslastung der Fahrzeuge?“

Die wichtigsten Ergebnisse

Zum Vergleich der Ergebnisse wurde ein MKS-Referenzszenario herangezogen, in dem alle von der Bundesregierung bis zum Jahr 2017 auf den Weg gebrachten verkehrlichen Maßnahmen enthalten sind.

In Szenario A „Behutsamer Mobilitätswandel“ machen neue Mobilitätsangebote im Jahr 2030 5% am gesamten Personenverkehr aus. Im Jahr 2050 steigt der Anteil auf ca. 9%. Neue und verbesserte Mobilitätsangebote schaffen zunächst neue Optionen, das heißt, sie erhöhen die Mobilität der Bevölkerung insgesamt. So steigt die Gesamtzahl, der mit allen Verkehrsmitteln zurückgelegten Kilometer, bis 2030 um 1,2%. Trotz dieses zusätzlichen Verkehrs können neue Mobilitätsangebote dazu betragen Treibhausgasemissionen zu reduzieren. In Szenario A gehen diese zumindest leicht um 1,8% zurück.

Bessere Effekte zeigen sich in Szenario B, „Umfassender Mobilitätswandel“. Neue Mobilitätsformen machen dort im Jahr 2030 11 % am Gesamtverkehr aus. Die Zahl steigt bis 2050 noch weiter auf fast 17%. Die Gesamtzahl, der mit allen Verkehrsmitteln zurückgelegten Kilometer, geht bis 2030 um 8 % zurück. Zudem sinkt in diesem Zeitraum der Anteil an privaten Pkw in den Städten sogar um fast 14 %. Die Umwelteffekte sind ebenfalls stärker als in Szenario A. Die CO2-Emissionen werden um 13 % reduziert.

„Dies zeigt ganz klar, dass neue Mobilitätskonzepte ganzheitlich gedacht werden müssen.“, sagt Rimbert Schürmann. „Um die Verkehrswende zu schaffen, gilt es nicht nur, die neuen Mobilitätsangebote zu fördern. Gleichzeitig müssen auch der konventionelle, nicht-motorisierte und öffentliche Verkehr gestärkt sowie die Attraktivität des Privat-Pkws gesenkt werden.“

Mobilität nachhaltig gestalten

Um die Weichen in Richtung Verkehrswende stellen zu können, gilt es Effekte neuer Mobilitätskonzepte vor ab zu verstehen.  .

Über:

Von nachhaltigen Mobilitätsformen wie Radfahren über autonomes Fahren hin zu Road Safety und Strategien für die Letzte Meile: Steffi ist immer auf der Suche nach neuen Stories und fasziniert von der Fülle an spannenden Themen, die unsere Mobilität jeden Tag zu bieten hat.

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